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Wenn Geldsorgen unter die Haut gehen: Wie finanzielle Not unsere Psyche belastet

Finanzieller Stress und psychische Gesundheit: Ursachen, Symptome und Wege aus der Belastung


Frau macht sich Sorgen um Geld

Finanzielle Not: Ist das Konto leer, leidet oft auch unsere Psyche

Finanzielle Stabilität hingegen bedeutet: Sicherheit für unser gesamtes System


Vor einigen Monaten habe ich zum Thema Einsamkeit und welche Auswirkungen sie für die menschliche Psyche haben kann, in meinem Blog geschrieben. Vor Kurzem stellte ich mir selbst wieder einmal die Frage, welche Faktoren mich in meinem Leben aus dem Gleichgewicht bringen, beziehungsweise unter Stress setzen. Wann laufe ich unrund und somit auch alles um mich herum? Ich kam zu der Antwort, dass sich seit der Corona Krise 2020 und allen darauf folgenden planetaren Krisen, mein Stresserleben in Bezug auf mein Einkommen und das Stemmen meiner Lebenserhaltungskosten um ein Vielfaches erhöht hat. Vermutlich waren meine Existenzängste immer schon etwas stärker, bin ich doch in einer Familie aufgewachsen, in der es eines nie wirklich zu geben schien: finanzielle Sicherheit. Auch gab es keine elterliche Awareness, uns Kinder mit dem Stress, den dieser ständige Struggle bei unseren Eltern auslöste, nicht zu konfrontieren. So erwuchsen aus der ständig angespannten finanziellen Situation im Elternhaus, bald entsprechende Glaubenssätze und Ängste.


Ich kam auch zu dem Schluss, dass Geldsorgen bei mir das selbe Stresserleben auslösen wie Einsamkeit. Ich finde diese Sorgen sind in der heutigen Zeit ein Faktor, der unserer mentalen Gesundheit ziemlich zusetzen kann. In Zeiten von steigenden Kosten bin ich ganz sicher nicht die Einzige, deren Nervensystem beim Thema Geld Karussell fahren kann. Geld ist nun einmal nicht nur ein Stück bedrucktes Papier, das wir als Zahlungsmittel nutzen. Es bedeutet für jeden - unabhängig von Prägungen und der daraus folgenden Einstellung dazu - Sicherheit! Es erlaubt uns einen erweiterten Handlungsspielraum, wie wir unser Leben gestalten können. Bricht (finanzielle) Sicherheit weg, hat das Auswirkungen auf unser gesamtes System. Dabei ist bei finanzieller (Un-)Sicherheit nicht gemeint, dass wir uns einen Urlaub weniger oder keinen Neuwagen leisten können. Heute geht es tatsächlich darum, zu entscheiden, ob ich selbst am Ende des Monats noch ein ordentliches Mittagessen auf den Tisch bringe, oder meiner Kinder zu Liebe, darauf verzichte. Im Jahr 2026 sind das Tatsachen, die in der Mitte unserer arbeitenden! Gesellschaft angekommen sind und längst nicht mehr nur sozial Benachteiligte betrifft.


Geldsorgen und Armut sind kaum je individuelles Versagen. Vielmehr sind sie - genauso wie zunehmende Einsamkeit - Auswirkungen gesellschaftlichen und politischen Negierens, Wegleugnens, Schönredens und am Ende Nichtstuns . Doch vor allem sind sie eins: massive Stressoren, die unsere Psyche und unseren Körper dauerhaft belasten. In diesem Beitrag erfährst du, was finanzielle Not mit deinem Nervensystem macht, welche Symptome und schließlich Krankheiten, psychische wie physische daraus entstehen können und vor allem: Welche Wege es gibt, wie du wieder Stabilität und Selbstwirksamkeit gewinnst.


Hand die Sparschwein füttert


1) GELDSORGEN vs. MENTALE GESUNDHEIT


1.1. Geldsorgen als Dauerstressor & und die Auswirkungen auf unser Nervensystem


Leider unterscheidet unser Nervensystem nicht zwischen einem Säbelzahntiger (irgendwie kann ich diesen Urvergleich nicht mehr hören...), der im Busch darauf lauert uns zu verspeisen und einer roten Zahl mit einem dicken Minus davor, die uns nach dem LogIn in unser Onlinebanking regelrecht anspringt, im worst case noch zwei Tage nach Gehaltseingang. Alles davon signalisiert unserem Gehirn: GEFAHR. Wie unser autonomes Nervensystem auf dieses Signal der Gefahr reagiert, haben wir bereits in zwei meiner letzten Blogartikel über das autonome Nervensystem und die Polyvagaltheorie erfahren. Hier noch einmal kurz zusammengefasst, was passiert, wenn unser autonomes Nervensystem in den Überlebensmodus schaltet, also Gefahr wittert:


  • Der Sympathikus bereitet unseren Körper auf eine Kampf -oder Fluchtreaktion vor und es werden

  • die Stresshormonone Cortisol & Adrenalin ausgeschüttet in Folge

  • steigt unsere Herzfrequenz, die Muskeln spannen sich an und unsere Wachsamkeit wird erhöht.


Kurzfristig machen all diese Vorgänge Sinn und sind auch nicht ungesund für uns. Die Dosis macht immer das Gift! Leider sind Geldsorgen selten kurzfristig und haben sich alsbald erledigt. Die Wenigsten kommen in den Genuss einer Erbschaft oder eines Lottogewinns, der ihre Geldsorgen von jetzt auf gleich in Luft auflöst und so für die für unser System nötige Entspannung sorgt. Viele Menschen sind oft ihr Leben lang von Sorgen um das "liebe Geld" betroffen. Lernen wir keine psychosozialen Skills, mit diesen Sorgen in guter Weise umzugehen, wird der Stress, den sie verursachen, irgendwann chronisch. Das Nervensystem bleibt ständig in Alarmbereitschaft, der Sympathikus daueraktiv, unser System dauerangespannt.




Frau ist verzweifelt und sitzt vor Haufen Geld. Sie hat finanzielle Sorgen

Die Folgen:

  • Erschöpfung trotz Anspannung

  • Reizbarkeit

  • Schlafstörungen

  • Konzentrationsprobleme

  • Gefühl ständiger Bedrohung...


Auf Dauer führt der Zustand der Daueranspannung ohne nötige Entspannung zur Dysregulation unseres Nervensystems. Die Einen bleiben dann im "Hochstress" (Sympathikusaktivierung) oder es kommt zum totalen Shutdown, der von Antriebslosigkeit bis zum vollkommenen Rückzug und Erstarrung reichen kann. Rien ne va plus! In diesem Zustand ist Genesung weitaus schwieriger und langwieriger, weshalb es so wichtig ist, rechtzeitig gegenzusteuern.





1.2. "It´s all about the money" - Mögliche Symptome und Erkrankungen verursacht durch finanziellen Stress


Anhaltende finanzielle Belastung erhöht das Risiko für physische und psychische Leiden signifikant. Geldsorgen stellen einen Stressor für unser gesamtes System dar, die stressbedingte Krankheiten nach sich ziehen- physische wie psychische. Studien der WHO zeigen klar, dass Armut ein wesentlicher Risikofaktor für psychische Erkrankungen ist. Gleichzeitig verschlechtern Erkrankungen erneut die finanzielle Situation. Die Verschlechterung der Finanzen wiederum schränkt weiter darin ein, unsere mentale Gesundheit zu verbessern. Ein Teufelskreis! in der psychosozialen Beratung werden, neben präventiven Maßnahmen, zusammen mit den Klient*innen alternative Wege und Handlungsmöglichkeiten erarbeitet, um diesen Teufelskreis - je nach Lebensrealität - zu durchbrechen. Klient*innen lernen, wie sie sich gut um sich selbst kümmern, trotz knapper finanzieller Mittel. Beim Thema finanzieller Belastungen ist ein Beratungsmix sinnvoll, sprich, die Klient*innen werden auch bei der Kontaktaufnahme und dem Finden von Beratungsangeboten außerhalb des psychosozialen Kompetenzbereiches unterstützt. (Budget-, Schulden-,Rechtsberatung). Nur ein Ansatz macht wenig Sinn, doch ein geeigneter Beratungsmix bietet die Chance, viele Bereiche des Lebens allumfassend zu verbessern, wobei sich die Bereiche gegenseitig bedingen. Mental gestärkt ziehe ich größeren Nutzen aus einer Finanzberatung und umgekehrt stärkt mich das Wissen um Möglichkeiten der finanziellen Verbesserung mental.


Menschen, die unter finanziellen Belastungen und Geldsorgen leiden, kommen häufig mit nachfolgenden Symptomen in die Beratung:


  • Grübelzwang („Wie soll ich das nur schaffen?“)

  • Scham und sozialer Rückzug

  • Zukunftsangst

  • Selbstwertzweifel

  • Hoffnungslosigkeit....


Menschen, die dauerhaft von Geldsorgen/Armut betroffen sind, erkranken oft unter:



Abbildung über Armut und Gesundheitsrisiken

  • Depression

  • Angststörungen

  • Somatisierungsstörungen

  • Substanzmissbrauch als Bewältigungsversuch uvm.








Das oberste Credo, das in der Beratung vermittelt werden sollte: All diese Faktoren sind kein Zeichen persönlicher Schwäche, sondern nachvollziehbare Stressreaktionen auf reale Belastungen.


2) PREKÄRE FINANZLAGEN ZERSTÖREN MEHR ALS NUR KONTOSTÄNDE - sie treffen das ganze Leben


Die Auswirkungen finanzieller Notlagen oder gar Armut sind heimtückisch, weil sie sich schleichend durch unterschiedliche Lebensbereiche "fressen", deren Gelingen wesentlich für unser physisches und psychisches Wohlbefinden sind.

Direkt wirkt finanzielle Sorge als Stressor auf unser Nervensystem mit entsprechenden Folgen. Indirekt stellt sie eine große Einschränkung in wesentlichen Lebensbereichen dar, die wiederum starken Einfluss auf unser Wohlbefinden haben, wie:


  • Wohnen (unsichere oder belastende Wohnsituationen)

  • Ernährung (mangelnde Qualität oder Quantität)

  • Soziale Teilhabe (Isolation)

  • Bildung und berufliche Chancen

  • Zugang zu Gesundheitsversorgung uvm.


Mann sitzt am Schreibtisch und macht sich Gedanken über seine finanzielle Lage. Vor ihm Groschen






Die ständigen Unsicherheiten in diesen Bereichen untergraben das Gefühl von Kontrolle. Und fehlende Kontrolle ist einer der stärksten Stressverstärker überhaupt.













Der unsichtbare Faktor: Scham


In einer sehr leistungsorientierten Welt, in der für so viele von uns Identität, ja unser Wert, stark davon abhängt, was wir beruflich tun (und verdienen) und vor allem, was wir an materiellen Gütern vorweisen können, ist das Thema finanzieller Sorgen/Armut, mehr denn je, mit Scham besetzt. Die Tendenz zum Vergleich verstärkt oft unser Gefühl, gescheitert zu sein, wir geben uns selbst die Schuld für unsere Situation und versinken in Selbstvorwürfen, unser SelbstWERT schwindet. Wir schämen uns dafür, es scheinbar nicht geschafft zu haben und zögern, uns rechtzeitig Hilfe zu suchen. Wir breiten den Mantel des Schweigens über unsere belastende, finanzielle Situation, auch weil wir an schädlichen Glaubenssätzen festhalten wie: über Geld spricht man nicht! Das Ende vom Lied: unsere Sorgen wollen sich nicht aussitzen lassen, lösen sich nicht über Nacht in Luft auf und verschlimmern sich immer mehr. Dabei dreht sich die Negativspirale immer weiter ein, denn: Scham führt zu Rückzug. Rückzug verstärkt Isolation. Isolation verstärkt depressive Symptome.


Es braucht eine entscheidende Haltung in der Beratung: Sich Hilfe zu holen und offen über seine Probleme zu sprechen ist immer ein Zeichen von Stärke, Mut und Reflexionsfähigkeit und niemals von Schwäche. Finanzielle Not ist, entgegen der Meinung vieler, in unserer kapitalistisch geprägten Gesellschaft, keine Charakterschwäche, sondern oft das Ergebnis struktureller Bedingungen, Krankheit, Trennung, Jobverlust oder gesellschaftlicher Ungleichheit.


Frau öffnet leeren Geldbeutel



3) WAS HILFT WIRKLICH, WENN UNS FINANZIELLE SORGEN ZU ERDRÜCKEN SCHEINEN? - konkrete Lösungsansätze, wie wir trotz Sorgen gesund bleiben und gestärkt unsere Finanzlage verbessern


"Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut und die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

...ist ein Mantra, an das auch ich mich oft erinnern darf. Nicht alles liegt in unserer Hand und können wir kontrollieren, das ist wohl eine Facette des Lebens. Im Kontext von Geldnot oder Armut, deren Ursache meist nicht in persönlichem Scheitern liegt, heißt das, dass wir deren Entstehungsfaktoren wie strukturelle Ungleichheiten und Co. als Einzelne nicht in der Art beeinflussen können, dass unsere eigene Lage und unser mentales Wohlbefinden verbessert werden. Und genau dort liegt mein "Hauptauftrag" in der psychosozialen Beratung. Menschen zu stabilisieren und sie in die Selbstermächtigung führen, sie begleiten, zu erkennen, was sie für sich verändern können und so wieder zu mehr Lebensqualität zu gelangen.


Psychosoziale Beratung kann sehr entlasten, uns Stück für Stück wieder in Balance bringen und uns wieder handlungsfähig machen. Wir erinnern: zu produktiver Denkleistung und Finden kreativer Lösungen sind wir nur in der Lage, wenn unser Nervensystem reguliert ist. Im Fall finanzieller Sorgen empfehle ich einen Themen übergreifenden "Beratungsmix". Als Lebens-und Sozialberaterin bin ich keine Juristin. Je nach finanzieller Lage sollte die psychosoziale Beratung durch Budget- oder Schuldnerberatung ergänzt werden. Ich unterstütze in der Beratung meine Klient*innen gerne, für sie passende, weiterführende und ergänzende Begleitung zu finden. Wie Menschen in finanziellen Belastungssituationen konkret in der Lebens- und Sozialberatung unterstützt werden können, dazu gleich mehr.


In der Budgetberatung können sich Klient*innen einen guten Überblick über die eigene finanzielle Situation schaffen. Zusammen mit dem Berater/der Beraterin werden die Einnahmen und Ausgaben detailliert in den Fokus genommen und auf Wunsch ein Haushaltsbudget erstellt. Man erlernt wertvolle Skills und ist damit besser in der Lage, den Überblick über seine Finanzen zu behalten und gar nicht erst in die Situation zu kommen, Schulden anzuhäufen. Sollten bereits Schulden vorhanden sein hilft die Schuldnerberatung in allen rechtlichen Angelegenheiten. Von der Kommunikation mit Gläubigern und Behörden bis hin zur Insolvenzberatung. Gemeinsam werden konkrete Handlungspläne erarbeitet und bei Anträgen unterstützt. Hat man erst einmal eine(n) Fachmann*frau zu Rate gezogen, ist die Auswegs- und Hilflosigkeit nicht mehr so groß.


Person mit Taschenrechner und Kassenbons.


Allein das Gefühl „Ich muss nicht alles alleine tragen“ reduziert Stress messbar.


3.1. "To talk about it is the first step in the right direction!" - Wie psychosoziale Beratung bei finanziellen Sorgen helfen kann


  • Stabilisierung & Regulation:

    In der psychosozialen Beratung oder Lebens- und Sozialberatung dürfen wir mit Klienten und Klientinnen nicht an ihren Diagnosen arbeiten und Heilversprechen abgeben, das gehört zu unserem Berufsethos. Wir dürfen die Menschen aber begleiten und ihnen Unterstützung an die Hand geben, wie sie ihr Leben gesund gestalten und ihren Alltag möglichst uneingeschränkt und unbeschwert leben können. Dazu gehört, egal ob gestresst, kurz vor einem Burnout oder gar traumatisiert, eine Stabilisierung der Klient*innen.


    Bevor wir Probleme lösen können, brauchen wir innere Stabilität. Ein dauerhaft disreguliertes Nervensystem blockiert unser Denken. Wir können erst wieder klare uns nützliche Gedanken fassen, wenn wir gelernt haben, unser Nervensystem zu regulieren. In der Beratung wird den Klient*innen wertvolles Werkzeug an die Hand gegeben, wie Regulation und Stabilisierung gelingen können. Auch außerhalb des Beratungssettings sind die Klient*innen dann in der Lage, für ihren Alltag passende Stabilisierungs- und Regulationstechniken anzuwenden. Offene Gespräche können Scham reduzieren und Perspektiven erweitern. Mit fortschreitender Stabilisierung wird oft auch das Gespräch mit vertrauten Personen gesucht, man beginnt sich aus seinem Schneckenhaus zu schälen und soziale Verbindungen werden gestärkt. Eine Positivspirale nach oben und aus dem eigenen Schlamassel kann beginnen.


  • Erlernen von Selbsthilfe-Tools:

Viele der Tools, die für eine Regulation unseres Nervensystems sorgen, können

sehr leicht in den Alltag der Klient*innen integriert und von ihnen selbst ange-

wendet werden. Dazu zählen zum Beispiel:


-Atemregulation: Einige Sekunden einatmen und etwa 2 Sekunden länger

ausatmen, das Tempo bestimmst du selbst! Atemübungen sollten mehrmals

täglich wiederholt werden. Atemregulation ist so gut wie überall möglich. Im

Büro, im Auto, im Zug whereever. Atemübungen aktivieren unseren Parasym-

pathikus.

-Körperliche Bewegung: Es braucht nicht sofort einen Yogakurs oder Chigong in

Gruppe, vor allem, wenn man nach einem langen Arbeitstag lieber für sich ist.

Doch wie wäre es, nach einem gefühlt nie enden wollenden Arbeitstag, einmal mit einem Spaziergang, Dehnübungen oder leichtem Krafttraining statt endloser Berieselung durch die sozialen Medien? Körperliche Bewegung hilft beim

Abbau von Stresshormonen. Aber bitte nicht übertreiben. Auch hier gilt: Die

Dosis macht das Gift! Machen wir zu viel davon, kommt es statt zum Abbau von

Stresshormonen zur Ausschüttung selbiger. Sanfte Bewegungen sind hier

schwerem Gewichte heben vorzuziehen, möchte man als Output ein reguliertes

Nervensystem.


Budgetplaner ästhetisch


-Struktur schaffen: Finanzielle Sorgen erzeugen Chaos im Kopf! Sich einen regel-

mäßigen Überblick über seine Finanzen zu verschaffen (ca. einmal wöchentlich) kann Grübeln verhindern. Wie das geht und welche Möglichkeiten es gibt, seine Einnahmen und Ausgaben zu tracken, wird oft in Budgetberatungen vermittelt.








-soziale Verbindungen stärken: Das Gefühl, verstanden und nicht verurteilt zu

werden, sich jederzeit an jemanden wenden zu können, sich quasi "auskotzen"

zu können, ist eine wahre Wohltat für unser Nervensystem. Haben wir uns

erstmal professionelle Hilfe geholt und in der Beratung unsere Selbstwirksamkeit

und somit unser Selbstbewusstsein gestärkt, fällt es uns leichter, auf andere

wieder offener und ohne Angst vor Ablehnung zuzugehen. Und wer weiß?

Vielleicht kristallisiert sich auch heraus, dass wir mit unseren Sorgen und

Problemen gar nicht so alleine sind, wie wir bisher dachten. Let´s talk about

money! - Ich bin dafür!


  • Stärkung der Selbstwirksamkeit:

    Geldsorgen können sich erdrückend anfühlen und Armut das Gefühl erzeugen,

    völlig ausgeliefert zu sein, ohne jede Hoffnung auf Veränderung. Deshalb ist es

    entscheidend, seine eigenen kleinen Handlungsspielräume zu identifizieren. Da wir Menschen uns bestenfalls immer durch und im Austausch mit Anderen selbst erfahren, geschieht diese Selbstreflexion im Rahmen einer professionellen Beratung Anfangs am Besten. Der Berater/die Beraterin weiß aus Erfahrung, welche Fragen an die Klient*innen zielführend sind. Wir können uns fragen:


-Was liegt heute konkret in meinem Einflussbereich, sprich was kann ich heute

tun, um meine Lage zu verbessern. (und was liegt nicht in meinem Einfluss-

bereich?)

-Welche Entscheidung kann ich aktiv treffen, egal wie groß oder klein?

-Wen kann ich um Unterstützung bitten?


Jede noch so kleine AKTIVE Entscheidung stärkt unsere Selbstwirksamkeit und hilft unserem Nervensystem, sich zu stabilisieren.


!!BITTE NICHT WARTEN!!!


In der Lebens- und Sozialberatung sind wir grundsätzlich prophylaktisch also vorbeugend tätig, oder sollte ich sagen "eigentlich". Die Praxis sieht leider meist anders aus und Menschen kommen in die Beratung, wenn der Leidensdruck - egal welches Problem - kaum noch auszuhalten ist. Psychosoziale Beratung kann Klient*innen in herausfordernden Lebenssituationen unterstützend begleiten und ganz sicher zur Steigerung der Lebensqualität beitragen. Sollten sich unten stehende Symptome zeigen, ist aber auch dringend der Gang zum Arzt/der Ärztin oder Therapeut*in angezeigt:


  • Suizidgedanken

  • Panikattacken

  • Starke Schlaflosigkeit

  • Substanzabhängigkeit

  • Depressionen begleitet von kompletter Hoffnungslosigkeit


All diese unschönen Symptome können das Ergebnis von Sorgen sein, die lange unausgesprochen geblieben sind, die man nicht geteilt hat, für deren Linderung man sich nicht rechtzeitig Hilfe und Unterstützung geholt hat. Rechtzeitige psychosoziale Beratung kann ernstzunehmenden Erkrankungen und schweren Symptomen vorbeugen!


Um Hilfe zu bitten ist ein Zeichen von Stärke und Mut, nicht von Schwäche."


3.2. Selbstfürsorge trotz knapper Mittel

Psychosoziale Beratung ist leider nach wie vor keine Kassenleistung. Unser Gesundheitssystem hat leider immer noch mehr die Pathogenese, die Beseitigung von Krankheiten, als die Salutogenese, die Förderung unseres Wohlbefindens und Erhaltung unserer Gesundheit im Blick. Menschen, deren finanzielle Mittel bereits begrenzt sind, können sich selten bis gar keine private Beratung leisten. Psychotherapie und psychologische Behandlungen sind mittlerweile keine reinen Selbstzahler Dienstleistungen mehr. Nachteil: Hier wartet man Monate auf einen Termin! Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die eigene gesundheitliche Situation in dieser Zeit verschlechtert ist hochwahrscheinlich.


Doch auch hier gibt es Dinge, die wir für uns verändern können (Guess what? unser Gesundheitssystem ist es nicht). Nach bereits wenigen Beratungen können Klient*innen wahre Meister der Selbstfürsorge sein. Eine Beratung hilft den Klient*innen konkret herauszufinden, was für sie stimmige und zu ihnen und ihrem Leben passende Skills sind.


Selbstfürsorge for free:

Generell darf Selbstfürsorge kein Luxus sein, sie ist eine tägliche Notwendigkeit, und muss nicht viel oder gar nichts kosten:


  • Bibliotheken

  • Naturaufenthalte

  • Austauschgruppen

  • Online-Selbsthilfeangebote

  • Meditation über kostenlose Apps

  • Dankbarkeitstagebuch


... sind nur wenige Dinge, die uns nicht nur gut tun, sondern auch gesellschaftliche Teilhabe und den Austausch mit Gleichgesinnten ermöglichen und einer Vereinsamung entgegenwirken, ohne den Geldbeutel zusätzlich zu strapazieren. Das Risiko für Vereinsamung ist gerade bei Menschen in finanzieller Not erhöht, da gesellschaftliche Teilhabe stark verknüpft ist mit Konsum und Geld ausgeben - jeder Caféhausbesuch kostet Geld (und das heute nicht wenig). Ein Waldspaziergang mit einer guten Freundin und einer Thermoskanne Kaffee gibts for free.


Habt ihr euch noch nie gefragt, was ihr neben ausufernden Shoppingtouren für euch tun könnt und wie ihr gesund euer Belohnungssystem ansteuert? In meiner Beratung finde ich gemeinsam mit euch heraus, was euch speziell hilft und wie ihr das in eurem Alltag umsetzen könnt.




4) FAZIT: JEDE Situation ist so veränderbar, dass wir nicht leiden müssen! Leid macht uns handlungsunfähig. Positive Veränderung heißt: Selbstermächtigung & Handlungsfähigkeit



Hilfe anzunehmen ist kein Scheitern. Es ist ein aktiver Schritt in Richtung Stabilität.

Ich kann es nicht oft genug wiederholen wie bedeutsam es ist, sich rechtzeitig Hilfe zu holen, bevor man vollkommen handlungsunfähig wird. Scheut euch nicht, mit belastenden Themen rauszugehen und dort anzuklopfen, wo ihr professionelle Begleitung erwarten könnt. Sich Unterstützung zu holen ist niemals Schwäche sondern pure Selbstfürsorge. Ich kann mich selbst noch gut an Zeiten erinnern, in denen ich nicht wusste, wie ich bis zum nächsten Gehaltsscheck noch Sch..h..papier kaufen soll (Anm.: das ist lange her und das Klopapier war bedeutend günstiger als 2026). Ich bin während einer Phase der Jobsuche nebenbei Putzen gegangen, denn Geld vom Amt reicht längst nicht mehr zum Leben. Ich bin wie die meisten Menschen, nicht in der glücklichen Lage, geerbt zu haben oder jemals irgendwann zu erben. Ich wurde zu keinem Zeitpunkt von meinen Eltern finanziell unterstützt.


Mich plag(t)en seit ich denken kann Existenzängste (siehe Einleitung). Diese verschlimmerten sich in einer Zeit, in der ich trotz Vollzeitjob und Selbständigkeit als Berater:in gefühlt nicht mehr + an finanziellem Auskommen hatte (Polykrisen sei Dank), ich aber vor allem immer unglücklicher wurde und sich mein Gesundheitszustand zunehmend verschlechterte. Als ich nach einer privaten Krise vollkommen danieder lag, war ich gezwungen, etwas zu ändern. Ein umfassender Beratungsmix, der auch eine Budgetberatung inkludierte, haben mich auf meinem Weg der Weichenstellung und Entscheidungsfindung super unterstützt. Ich konnte förmlich spüren, wie sich mein Nervensystem beruhigte, ich klar erkennen konnte, was tatsächlich real war (und eventuell Risiken barg) und was nur reine Hirngespinste, gefüttert von alten Glaubenssätzen.


Durch umfassende Beratung war es mir möglich, meine Selbstwirksamkeit zu stärken. Ich kann meinen Alltag jetzt mehr nach meinen Bedürfnissen gestalten, ohne in eine Finanzkrise zu schlittern. Heute lasse ich meine Klient:innen von meinen Erfahrungen im Umgang mit finanziellen Sorgen profitieren. Geldsorgen belasten unser Nervensystem stark und gefährden unsere psychische Gesundheit. Körperliche Reaktionen und kurzfristige Copingstrategien, die uns oft noch weiter in einen Abwärtsstrudel ziehen (Alkoholismus als Verdrängungsstrategie,...) stellen automatische und automatisierte Schutzmechanismen dar. Langfristigen Schutz bieten adäquate Unterstützung und richtig angewandte Skills, die uns befähigen, die für uns richtigen Entscheidungen zu treffen und die für uns besten Handlungen zu setzen. Selbstermächtigung ist das Zauberwort! Und der erste aktive Schritt in Richtung Stabilität und Selbstermächtigung: Hilfe annehmen!


  • Geldsorgen sind händelbar!

  • Finanzielle Probleme sind lösbar - nicht über Nacht aber Schritt für Schritt!

  • Bei der Lösung dieser Probleme bist du nicht alleine - es gibt viele Beratungsangebote und du darfst dich bei deinem Prozess in die Selbstverantwortung begleiten lassen!

  • und last but not least: Selbstfürsorge ist auch in schwierigen Zeiten möglich!


...es gibt Wege, die Situation für sich zu verändern- im Innen wie im Außen!

Zu Beginn der Reise hat man oft noch keinen Plan, welche Reiseroute für einen selbst geeignet ist, geschweige denn besitzt man die nötige Ausrüstung, um heil am Reiseziel anzukommen. Beratung ist wie ein Kompass mit dem man auf seiner Reiseroute navigiert - in vielen herausfordernden Lebenslagen und Schieflagen, welche finanzielle Sorgen jedenfalls darstellen.


Es ist nachvollziehbar, dass wir uns manchmal als Opfer der Umstände fühlen, ohnmächtig gegenüber Strukturen, die wir nicht gewollt haben. In der Opferrolle zu verharren hat allerdings noch nie Früchte getragen und bremst uns in unserer Entwicklung. Um uns unsere Selbstverantwortung zu bewahren und unsere Kompetenz und unseren Handlungsspielraum zu erhöhen, dürfen wir uns immer wieder die Frage stellen, was für uns gestalt- und veränderbar ist und was nicht in unserem Kompetenzbereich liegt. Ersterem gilt es dann Aufmerksamkeit und unsere Lebensenergie zu schenken. Tag für Tag toxische Arbeitsbedingungen zu ertragen oder in ungesunden Paarbeziehungen zu verharren, weil wir uns eine Veränderung der Umstände finanziell nicht leisten können, sind mehr als nur ein starker Hinweis darauf, dass wir unseren Kompass neu ausrichten und neue Wege entdecken dürfen. Denn übersetzt heißt das vor allem, dass wir glauben, es uns nicht leisten zu können/dürfen, uns selbst liebevoll zu begegnen, uns wertzuschätzen und gut für uns selbst zu sorgen. Dabei neigen wir Menschen dazu, uns nicht zu fragen, wie hoch der Preis des Verharrens im Status Quo am Ende sein wird. Wir dürfen auch diesbezüglich immer mal wieder bei uns selbst einchecken und uns diese wertvolle Frage stellen.


In diesem Sinne: Sei dir wichtig und schau auf dich! Bis bald! Birgit



Glas mit Geldmünzen und daraus erwächst ein Pflänzchen


Du machst gerade eine Krise oder belastende Lebenssituation durch? Bleib mit deinen Sorgen nicht allein! Gemeinsam wird es besser! Wende dich für psychosoziale Unterstützung gerne an: office@core-lebensberatung.at


Sonstige wichtige Anlaufstellen & Hilfsangebote:

  • Schuldnerberatung OÖ: Bietet kostenlose Beratung, staatlich anerkannte Schuldenberatungsstellen helfen bei der Schuldenregulierung, Schuldnerhilfe OÖ.

  • Online-Sozialberatung der Caritas: Bietet Online-Sozialberatung für Menschen in Not, Online-Sozialberatung.

  • WOHNSCHIRM: Übernimmt bei Bedarf Miet- oder Energieschulden, WOHNSCHIRM.

  • KLARTEXT - Finanzielle Gesundheit: Präventionsabteilung der Schuldnerberatung Oberösterreich für Budgetberatung.




*Genderhinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde teilweise auf eine geschlechtsneutrale Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung für beide Geschlechter. Die verkürzte Sprachform beinhaltet keine Wertung.








 
 
 

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